Fasten – Verzichten – Neues wachsen lassen
Liebe Schwestern und Brüder, liebe Gäste in St. Aegidien,
die mit dem Aschermittwoch begonnene Österliche Bußzeit wird wohl in unserem Sprachgebrauch auch weiterhin vorrangig „Fastenzeit“ heißen. Diese Begrifflichkeit hat den Vorteil, dass man weiß, worum es geht: fasten und verzichten. Auch in nicht-religiösen Zusammenhängen wird das Fasten praktiziert als eine positive Form der Lebensgestaltung und als eine wichtige „Entschlackungszeit“ für Leib und Seele.
Fasten, wie es der Glaube anrät, erfolgt nicht als Selbstzweck. Indem man verzichtet und
anders lebt, soll die Ebene des Herzens größer und stärker werden. Letztlich soll die Liebe zu Gott, zum Nächsten und zu sich selbst neu wachsen.
Die Kirche gibt keine präzisen Anleitungen, wie das Fasten „richtig“ praktiziert wird. Im Sinne des Fastens, damit das Herz weiter wird, können ganz unterschiedliche Formen angezeigt sein. Viele verzichten auf Alkohol und Süßigkeiten. Andere praktizieren ein Fasten des Auges z.B. im Verzicht auf Medienkonsum. Andere wiederum versuchen, ihre eigene Sprache gegenüber anderen von negativen Worten freizuhalten. Da gefällt mir auch das Motto der evangelischen Kirche sehr gut. Sinngemäß heißt es: „Sieben Wochen ohne Härte! Sondern mit Gefühl.“ Es kann auch angesagt sein, „mehr“ zu machen, z.B. mehr aufzuräumen (auch im eigenen Herzen) oder sich bewusst mehr Zeit für Gott und bestimmte Menschen zu nehmen.
Noch vieles andere ist möglich, um diese Zeit bewusst und engagiert zu gestalten.
Ich wünsche uns in diesem Sinne ganz persönliche, stimmige und reizvolle Fastenprojekte.
Propst Martin Tenge
© Rainer Sturm / pixelio.de






